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2004

Himalaya Salz

Ob im Internet, in Reformhäusern oder im Naturkostladen, Himalaya-Salz wird als besonders wertvolles Kristallsalz angepriesen. Ihm werden sogar heilende Kräfte nachgesagt. So soll es angeblich giftige Stoffe lösen und aus dem Körper schwemmen. Die Heilversprechen reichen von Senkung des Blutdrucks über Linderung von Gicht und rheumatischen Beschwerden bis hin zur Verminderung des Suchtverhaltens bei Suchterkrankungen oder "positive Beeinflussung" bei Krebs. "Ein einziges Wundermittel kann wohl kaum so viele Ernst zu nehmende Erkrankungen heilen. Besondere Wirkungen auf den Körper durch Verzehr von Kristallsalz aus dem Himalaya sind wissenschaftlich nicht belegt", so Dr. Helmut Oberritter, Wissenschaftlicher Leiter der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE). Zudem hat Kristallsalz seinen Preis: Ein Kilogramm kostet zwischen 15 und 24 Euro, 500 g normales Kochsalz aus dem Einzelhandel sind hingegen für ca. 20 Cent erhältlich.

Auch Himalya-Salz besteht zu 97% aus Kochsalz

Da Kristallsalz angeblich aus allen natürlichen Elementen des menschlichen Körpers bestehe, soll es maßgeblich zur Mineralstoffversorgung beitragen. Allerdings enthält Himalaya-Salz  mindestens  97 % Kochsalz  (Natriumchlorid) und unterscheidet sich nur unwesentlich vom Natriumchloridgehalt in Speisesalz (98%). Der Gehalt anderer Mineralstoffe ist so gering, dass mit  üblichen  Verzehrsmengen   dieses Produkts kein nennenswerter Beitrag zur Bedarfsdeckung anderer Nährstoffe geleistet werden kann. "Für die Ernährung bietet es keinen Vorteil im Vergleich zu  herkömmlichem  Salz",   so  Dr.  Helmut Oberritter.  Im Gegenteil:  Als besonderer Nachteil des Kristallsalzes erachtet die DGE das Fehlen von Jod.  Denn durch den Zusatz von Jod zum Speisesalz konnte in den letzten  Jahren die Jodversorgung der deutschen  Bevölkerung verbessert werden. Eine  positive  Folge  ist  eine  zurückgehende  Zahl  des  durch Jodmangel bedingten Kropfes.


Zu viel Salz kann Bluthochdruck verursachen

Die heilende Kraft des Himalaya-Salzes basiere angeblich auf seinem  spezifischen Schwingungsmuster, mit dem die Energiedefizite des Körpers ausgeglichen werden können. Durch die Kraft des Salzes sollen z. B. krank    machende elektromagnetische Schwingungen der Umwelt, wie sie von  Handys, Mikrowellen oder Fernseher ausgehen, ausgeglichen werden.   Durch das tägliche Trinken der Sole, ein mit dem Salz hergestellter Aufguss,  soll  z. B. der Säure-Basen-Haushalt ausgeglichen werden. Unser Körper besitzt jedoch eigene Puffersysteme, die einseitige oder extreme    Nahrungseinflüsse selbstständig regulieren. Zum Ausgleich des Säure-Basen-Haushalts ist diese Sole nicht erforderlich. Auch auf den Blutdruck  soll sie einen positiven Einfluss haben. Die Empfehlung, jeden Morgen  Salzsole aufzunehmen ist allerdings für salzsensitive Bluthochdruck-Patienten bedenklich.


Verfechter des Himalya-Salzes widersprechen sich selbst

Nach Ansicht der Verfechter von Himalaya-Salz ist  Natriumchlorid ein gefährliches Zellgift und wird  vom Körper unter großem Aufwand  ausgeschieden und unschädlich gemacht. Allerdings besteht Himalaya-Salz  fast vollständig aus Natriumchlorid. Natriumchlorid ist nicht hochtoxisch.   Die DGE betont, dass Natrium und Chlorid für den menschlichen Organismus unerlässlich sind und zur Aufrechterhaltung lebensnotwendiger Funktionen benötigt werden. Sie sorgen gemeinsam  mit Kalium für die Regulation des Wasserhaushalts im Köper.  Dadurch  werden Druck und Volumen im Gewebe aufrecht erhalten.  Ein Natrium-  und/oder Chloridmangel ist recht selten, er ist lediglich bei extremer körperlicher Belastung (z. B. Hochleistungssport) zu beobachten. Die DGE  hält eine Zufuhr von 6  g  Kochsalz pro Tag für ausreichend. Eine höhere  Zufuhr bringt keine Vorteile, eher Nachteile, insbesondere bei salzsensitivem Bluthochdruck.

(Quelle: DGE-aktuell 22/2003 vom 04.11.2003)